Tipps gegen das Aufschieben und die Prokrastination

70 Prozent der Studenten tun es, aber im Grunde betrifft es jeden von uns, zumindest hin und wieder: Das Aufschieben. Eigentlich müsste die Steuer doch … naja … nächstes Wochenende. Marlene Weber kennt das Problem aus eigener Erfahrung und hat beschlossen, es systematisch anzugehen. Im heutigen Tipp verrät sie einige der Tricks, die sich gegen Aufschieberitis als hilfreich erwiesen haben.

Das mache ich morgen …

Tipps von Marlene Weber

Aufschieberitis geschieht meist hinter verschlossenen Türen. Wer erzählt schon am Stammtisch im Freundeskreis, dass er einen Stapel ungeöffneter Briefe im Schrank hortet, die Steuer immer noch nicht abgegeben hat oder sich seit einem Jahr jede Woche vornimmt, endlich mit Sport anzufangen? Nur selten kommt es dazu, dass bei besonders hartnäckigen Aufschiebern der Strom abgestellt wird, weil die Rechnung nicht bezahlt wurde. Was aber jeden Aufschieber betrifft: Er leidet unter einem schlechten Gewissen, wenn er aufschiebt.

Mein Motto: Das Leben ist zu schade, um unter Prokrastination zu leiden!

Typen der Aufschieber

Für den Erregungsaufschieber bringt sein Verhalten Nervenkitzel und Spannung ins Leben. Wer Dinge auf den letzten Drücker erledigt, der erlebt etwas. Menschen werden positiv aktiviert, wenn sie in letzter Minute ein aufkommendes Feuer löschen. Dieser Typ kann man problemlos ein Studium bewältigen, steht aber häufig unter großem Stress. Leider gibt es Erregungsaufschieber, die sich beim Aufschieben verschätzten und zu spät mit der Aufgabe beginnen. Dem Erregungsaufschieber mit fehlendem Zeitverständnis bleibt z.B. nicht genug Zeit zum Lernen, um die Prüfung zu bestehen. Für den studentischen Erregungsaufschieber ist das Durchfallen durch Prüfungen oft der Anfang vom Ende, denn sobald sich das Studium nach hinten verschiebt, wird er wieder nichts tun, bis er drei Tage vor der nächsten Prüfung steht.
Fehlendes Zeitverständnis ist auch in anderen Situationen problematisch. Wer regelmäßig zu spät kommt, der rechnet zu wenig Zeit für die Anfahrt ein. Er erlebt den Nervenkitzel, kurz vor knapp durch waghalsige Überholmanöver und Abkürzungen noch zwei Minuten herauszuholen. Dabei berücksichtigt er weder mögliche Staus und Baustellen noch die Verkehrslage, sondern geht unbewusst davon aus, sich am Sonntag morgen um fünf Uhr früh auf den Weg zu machen.

Der Vermeidungsaufschieber hingegen kann von solchen Last-Minute-Aktionen nur träumen. Er schiebt auf, um negative Gefühle zu vermeiden, zur Not auch über jeden Termin und jede Deadline hinaus. Durch sein Aufschieben empfindet er momentan Erleichterung, leidet jedoch langfristig sehr. Bewerbungen werden aufgeschoben, weil der Vermeidungsaufschieber große Angst vor Absagen hat. So schützt er kurzfristig das Selbstwertgefühl, bleibt jedoch in einem Job hängen, der ihm nicht liegt. Das wiederum untergräbt das Selbstwertgefühl auf lange Sicht.
Der Vermeidungsaufschieber hat häufig Angst vor Misserfolg. Der Verkäufer, der eigentlich neue Kunden gewinnen möchte, ist ein klassisches Beispiel für den Vermeidungsaufschieber. Auch der Student hat Angst vor Misserfolg, wenn er eigentlich mit seinem Professor über seinen Vorschlag für die Hausarbeit oder sein Projekt sprechen möchte, es dann aber doch nicht tut. Autoren geben ihre Manuskripte nicht ab, da sie Angst vor dem Feedback der Lektoren oder der Leser haben. In diesen Situationen verhindert das Aufschieben die Bewertung des eigenen Ergebnisses. Was nicht abgegeben wird, kann auch nicht kritisiert werden. Manchmal rührt die Angst des Vermeidungsaufschiebers auch daher, dass er seine Ziele zu hoch steckt. Perfektionisten werden leicht zu Vermeidungsaufschiebern, da sie auf keinen Fall ein mittelmäßiges Ergebnis akzeptieren. Der Perfektionist leidet naturgemäß entsetzlich unter seinem Aufschiebeverhalten.

Prokrastination kann ein als Zeichen der Überforderung sein. Der Betroffene glaubt, die vor ihm liegende Herausforderung nicht bewältigen zu können. Er hat kein Vertrauen in seine Fähigkeiten und fängt lieber gar nicht erst an. Auch die unbewusste Angst vor Erfolg kann einen Menschen davon abhalten, seiner Aufgabe nach zu kommen. Angst vor Erfolg hängt häufig mit fehlendem Selbstwertgefühl zusammen. Der Aufschieber glaubt unbewusst, dass er den Erfolg nicht verdient hätte.
Vermeidungsaufschieber wollen nicht nur Angst vermeiden. Häufig geht es um Unlust, die zum Beispiel beim Ausfüllen der Reisekostenabrechnung oder sonstigen Formalitäten zu erwarten wäre. Prokrastinierer sind meist schneller gelangweilt als andere Menschen. In Erwartung von unangenehmen Gefühlen durch Langeweile und Unlust schieben sie Routineaufgaben auf. Solche Menschen lassen sich von langweiligen Aufgaben leicht ablenken und reagieren mit Impulsivität und Ungeduld.
Zu den typischen Aufgaben, die wir als unangenehm und lästig empfinden gehören das Aufräumen, Organisationtätigkeiten oder der Besuch im Fitnessstudio. Einige dieser Dinge werden auch als wertlos oder unwichtig empfunden. Der Verkäufer hält die hundertste Liste, die er für das Marketing ausfüllen soll, schlicht für Zeitverschwendung und schiebt die Arbeit vor sich her.

Sie sind nicht allein

Aufschieberitis geschieht heimlich hinter verschlossenen Türen. Wenn Sie Ihren Nachbarn oder einen Bekannten besuchen, so wird dieser den Besuch nur zulassen, wenn seine Form der Aufschieberitis nicht gerade das Thema Aufräumen betrifft. Geschlossene Briefumschläge werden nicht im Flur gestapelt. Sie bleiben im Briefkasten liegen oder werden in einem Schrank oder einer Schublade verkramt, manchmal auf einem Haufen, manchmal durch das ganze Haus verteilt. Nur in wenigen Fällen kann man direkt erkennen, dass jemand prokrastiniert. Dazu gehört der Student, der im siebten Semester immer noch kein Vordiplom in der Tasche hat oder der Freund, der Sie immer warten lässt, wenn Sie sich verabredet haben. Wer  den Umgang mit der eigenen ToDo-Liste kritisch hinterfragt, wird feststellen, welche Aufgaben er schiebt. Das Thema geht fast alle von uns an.

Aktiv etwas tun

Es gibt viele Tipps und Tricks gegen das Aufschieben. Da Aufschieberitis verschiedene Ursachen hat, muss jeder andere Methoden anwenden. Der Erregungsaufschieber mit fehlendem Zeitverständnis muss beispielsweise lernen, die benötigte Zeit richtig einzuschätzen. Der Vermeidungsaufschieber muss eine Methode auswählen, mit der er seine Angst oder seine Unlust überwinden kann. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass man verschiedene Methoden ausprobieren muss, um zum Erfolg zu gelangen. Auch muss man nicht jede Aufgabe erledigen. Es gibt sie, die Dinge, die man absagen und ersatzlos streichen kann!

Gegen Unlust kann man beispielsweise vorgehen, indem man den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe erhöht, um diese so interessanter zu machen. Sie könnten beispielsweise auf der Arbeit mit ihrem Kollegen wetten, wer die Reisekostenabrechnung schneller erledigt. Eine Aufgabe gegen die Uhr zu erledigen ist eine gute Methode, eine langweilige Aufgabe spannender zu gestalten. So haben Sie eine Chance, Flow zu erleben, der Zustand, in dem alles von selbst geht.

Wer überfordert ist oder Angst hat, den würde Zeitdruck natürlich noch stärker unter Druck setzen. Bei Angst und Überforderung unterteilt man die Aufgabe häufig besser in winzige Schritte. Der Student, der vor einem riesigen Berg Informationen sitzt, beginnt mit einem einleitenden Buch zum Thema. Dann wählt er einen winzigen Aspekt des Themas und versucht diesen zu verstehen. Dann macht er den nächsten kleinen Schritt.

Während der Student das Lernen selbst erledigen muss, kann man viele andere Dinge  delegieren. Sie können beispielsweise ein Tandem mit einer anderen Person gründen. Jeder erledigt für den anderen, was der nicht mag. Ein Beispiel wäre der Tausch von Papierkram (Steuer, Briefe, Formulare) gegen Technikkram (Reparaturen, Ölwechsel, Motorreinigung). Wer tauschen will, muss wissen, was ihm leicht fällt. Dazu dient das Erstellen einer Nicht-Aufschiebe-Liste. Statt sich immer um das zu sorgen, was man nicht erledigt, sammelt man hier alle Punkte, die einem leicht von der Hand gehen. Diese Liste gibt auch wertvolle Hinweise für die weitere berufliche Entwicklung. Was uns leicht fällt, ist häufig eine Stärke.

Bilanz ziehen und nächsten Tipp probieren

Die Suche nach dem richtigen Werkzeuge ist wie die Suche des richtigen Deckels für den Topf. Sie werden den ein oder anderen Fehlschlag auf dem Weg erleben. Probieren Sie einfach den nächsten Tipp aus (es gibt viele, glauben Sie mir) und seien Sie kreativ: Passen Sie die Tipps an Ihre persönliche Situation an.

Und vergessen Sie nicht: Sie sind nicht allein!

Diese und viele weitere Tipps sowie Erfahrungsberichte rund um die Aufschieberitis finden Sie im Ratgeber „Morgen, bestimmt! – Tipps und Tricks gegen das Aufschieben“ von Marlene Weber.

Morgen, bestimmt! – Tipps und Tricks gegen das Aufschieben Ratgeber von Marlene Weber: Prokrastination oder Aufschieberitis hat viele Facetten. Vom Studenten, seine Hausarbeit nicht abgibt, bis zum Arbeitnehmer, der die Steuererklärung aufschiebt. Einigen Menschen entstehen durch das chronische Aufschieben finanzielle Nachteile. Jenseits der wirtschaftlichen Einbußen geht es vor allem darum: Aufschieberitis ist unangenehm, wir haben ständig ein schlechtes Gewissen, dass wir die ungeliebte Aufgabe schon wieder nicht erledigt haben. Wer unter dem Aufschieben leidet, sollte etwas dagegen unternehmen. Eine aufgeschobene Steuererklärung ist es einfach nicht wert, dass man sich in seiner Haut unwohl fühlt.
In diesem Buch erwartet Sie ein umfangreicher Werkzeugkasten mit zahlreichen Tipps und Tricks gegen das lästige Aufschieben. Mit Specials zur Steuererklärung, Aufräumen, unangenehmen Telefonanrufen und Schreibblockade! (128 Normseiten) hier kaufen!


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