Spielräume nutzen, statt Chancen vergeben

Oft sind wir gefangen in den Abläufen des Alltags und haben nur wenig Zeit, Dinge zu hinterfragen und nachzudenken. Wie schade! Denn mit etwas Kreativität können wir weitere Möglichkeiten finden, ein Problem zu lösen.  Heute geht es darum, wie Sie Ihre Sinne für die zahlreichen Optionen schärfen, die Ihnen in einer Situation zur Verfügung stehen. Und das sind immer ein paar mehr, als man vorher glaubt!

Handlungsspielräume nutzen

Ein Tipp von aus dem Buch von Harald Welzer

Kennen Sie das? Man ist in einer Situation gefangen und sieht keinen Ausweg. Es scheint nur eine Möglichkeit zu geben, und die ist alles andere als erfreulich. Häufig übersehen wir einige unserer Optionen, da wir in Gedankenmustern festgefahren sind.

Optionen erkennen und nutzen

Wir Menschen verfügen über zahlreiche Handlungsspielräume, sehen diese aber nicht immer. Manchmal fühlen wir uns in einer Situation gefangen und sehen keinen Ausweg. Trotzdem gibt es mehr Optionen, als wir vermuten. Ein Beispiel: Ein Hartz-IV-Empfänger muss zahlreiche Limitierungen und Vorschriften vom Amt hinnehmen. Er hat wenig finanziellen Spielraum und muss diverse Termine einhalten, um nicht durch Abzüge bestraft zu werden. Aber auch ein Hartz-IV-Empfänger kann entscheiden, wie er seine Zeit verbringt, was er liest, im Fernsehen schaut (oder auch nicht), ob er Sport macht und wie er seine Kinder erzieht. In finanzieller Hinsicht hat er weniger Spielraum als ein Arbeitnehmer, dafür verfügt er über etwas mehr Zeit, die er sinnvoll einsetzen kann.
Harald Welzer sagt, dass es in jeder gesellschaftlichen Gruppe und in jeder Berufsgruppe etwa gleich viele Intelligente, Doofe und Durchschnittliche gibt. Unter Universitätsprofessoren gibt es nach seiner Auffassung genau so viele doofe Menschen wie unter Putzfrauen, Handwerkern oder Kindergärnterinnen. Wir verfügen zwar alle über unterschiedliche Handlungsspielräume, aber ob wir diese nutzen oder nicht, das hängt von der Intelligenz oder dem Bewusstsein für die Möglichkeiten ab. Nur wer seinen Spielraum erkennt, der kann ihn auch nutzen.

Den eigenen Spielraum erkennen

Leider fokussieren wir uns häufig auf die Limitierungen, statt auf den offenen Spielraum. Dies geht nicht, jenes geht nicht. Dabei eröffnen sich neue Perspektiven, wenn wir einmal darauf achten, was denn geht. Wer so denkt, vergibt weniger Chancen im Leben und wird zufriedener sein.

Hilfsbedürftigkeit erkennen

Ob man einem anderen Menschen hilft, das hängt zunächst davon ab, dass man auch erkennt, dass Hilfe benötigt wird. Dafür muss man aufmerksam sein. Bei aller materiellen Ungleichheiten kann sich jeder Mensch entscheiden, ob er sich in einem Verein oder in seiner Nachbarschaft engagiert. Diese Möglichkeit kann man niemandem nehmen. Viktor Frankl war im KZ selbst in einer erbärmlichen Verfassung,  trotzdem fand er die Kraft, seinen Mitgefangenen zu helfen. Und dadurch half er auch sich selbst.

Meinung erlaubt

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit herrscht. Jeder kann heute ausdrücken, was ihm im Rechtsstaat nicht gefällt. Über das Internet kann jeder prinzipiell die Aufmerksamkeit für sein Thema generieren.

Erwartungen genügen oder Erwartungen verletzen?

Wenn man ein für andere Menschen unbequemer Zeitgenosse ist, kann man  soziale Erwartungen verletzen. Der Autor beschreibt ein Beispiel, von einer Vortragseinladung. Das Thema, über das er sprechen würde, schloss den Genuss des Tunfischs, der als Vorspeise serviert wurde, im Grunde aus. Sollte er unbequem sein und die Vorspeise stehen lassen? Oder sie doch essen, da der Fisch ja längst verarbeitet ist? Kein Tunfisch würde durch seine Entscheidung gerettet. Oder?

Wie würde sich das auf das Verhältnis zu seinen Gastgebern auswirken? Oder solle er eine Notlüge verwenden und behaupten, Vegetarier zu sein und sich so aus der Affaire ziehen? Wenn er sagen würde, er isst den Fisch nicht, weil es im Widerspruch zu seinem Vortragsthema und zu seiner Überzeugung steht, dann ist diese Aussage deutlich konfliktträchtiger. Jeder andere Gast wird dann schuldig auf den Tunfisch blicken und ihn nicht mehr so genießen können.

Wie löste der Autor die Situation rund um den Tunfisch? Handlungsspielraum hatte er, und viele mögliche Alternativen ebenfalls. Auch ist er alle seine Alternativen in Gedanken durchgegangen.
Der Autor machte einen vagen Einwand gegenüber seinem Gastgeber, indem er seine Bedenken teilte, dass er den Tunfisch ja „eigentlich“ jetzt aufgrund seines Vortrages nicht essen könne. Der Gastgeber verstand das Dilemma und handelte entschlossen. Er nahm die Vorspeise, gab sie dem Küchenchef zurück und bat für seinen Vortragsgast um eine Alternative. So wurde die Situation gerettet und das Thema konnte von allen diskutiert werden, ohne dass jemand ein schlechtes Gewissen haben musste.

Warum schildert der Autor diese Geschichte? Nun, manchmal ist es nicht so einfach, den vollen Handlungsspielraum zu erkennen und dann auch zu nutzen. Manchmal sind die sozialen Kosten hoch, wenn man seiner eigenen Überzeugung bedingungslos folgt. Wer immer mit allem einverstanden ist, macht seinen Mitmenschen das Leben leichter. Wer sich que legt, der belastet die Mitmenschen.
Deshalb gehört zum Nutzen des eigenen Handlungsspielraums immer auch dazu, sich zu überlegen, ob man bereit ist, sich außerhalb der eigenen Komfortzone zu bewegen oder nicht.

Erkennen Sie Ihren eigenen Handlungsspielraum und entscheiden Sie sich bewusst und situationsbedingt für die beste Lösung, ob Sie mit dem Strom schwimmen möchten oder ob Sie heute bereit sind, einen Konflikt oder eine Konfrontation außerhalb der eigenen Komfortzone zu riskieren.

Mehr gute Tipps und spannende Themen finden Sie im Ratgeber „Selbst denken“ von Harald Welzer!

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