Unglücklichsein erlaubt – über die Pflicht zum Glück und wie wir uns ihr entziehen

Es ist ein Vorteil unserer heutigen Gesellschaft, dass es in unserem Leben nicht mehr allein um den Lebensunterhalt und die Pflichterfüllung geht, sondern auch um das Glück. Leider wird das Glück für uns mehr und mehr zur Pflicht, was wiederum jeden, der unglücklich ist, unter Druck setzt. Müssen wir glücklich sein? Und was ist, wenn wir es nicht sind?

 

Diktatur des Glücks und des positiven Denkens?

Tipps aus dem Buch von Wilhelm Schmid

Natürlich wollen wir glücklich sein. Aber die Selbstoptimierung und das positive Denken führen uns mittlerweile soweit, dass wir fast dazu verpflichtet sind, glücklich zu sein. Und wenn wir schon nicht glücklich sind, so sollen wir wenigstens hoffnungsfroh in die Zukunft schauen. Das führt so weit, dass einige Unglückliche sich nicht mal mehr trauen, über die eigene Befindlichkeit zu sprechen.

Wie viele Menschen werden unglücklich, nur weil sie glauben, glücklich werden zu müssen? (Wilhelm Schmid)

Die Berechtigung des Unglücks

Das Leben ist kein Ponyhof. Jeder erlebt Trauer und Verlust, der eine häufiger, der andere seltener. Dürfen wir traurig sein? So wie wir Menschen den Tod verdrängen, verdrängen wir auch das Unglück. Mit der heutigen Glücksdiktatur setzen wir uns zusätzlich unter Druck. Was ist mit den Menschen, die durchs Raster fallen, aus welchen Gründen auch immer? Strengen die sich nicht genug an? Vielleicht sollten sie den neusten Glücksratgeber lesen?

Glück ist wichtig, aber wichtiger ist Sinn. (Wilhelm Schmid)

Glück ist eher eine schöne Beigabe zum Leben, die Sahne auf dem Dessert des Lebens. Man kann das eigene Glück aber nur teilweise beeinflussen. Das Gleiche gilt für das Unglück. Scheitern gehört zum Leben dazu. Wären die Menschen immer zufrieden, würden sie heute noch auf den Bäumen hocken. Erst das Scheitern und die Unzufriedenheit bringen uns in Bewegung, etwas zu schaffen. So hat die Menschheit sich entwickelt.

Die vielen Diskussionen und die Ratgeber über das Glück sorgen dafür, dass wir jetzt alle der Illusion verfallen sind, dass es allein in unserer Macht liegt, ein gelungenes und glückliches Leben zu erreichen. Die Befürworter des positiven Denkens gehen teilweise so weit, Schicksalsschläge und Krebs auf falsches Denkverhalten zurückzuführen. So trifft der Schicksalsschlag eine Person doppelt und dreifach, wenn er kommt.

Das schöne, erfüllte Leben

Was würden Sie als ein erfülltes Leben bezeichnen? Gehört ein gelungenes Leben dazu? Eigentlich nicht, wo doch das Scheitern der Motor ist, der die Menschheit antreibt. Wer ein erfülltes Leben an Gelingen und Glück festmacht, der vergibt sich viel. Wie kommen wir auf den Gedanken, dass wir ständig das Gelingen erreichen können, wo das Geschichtsbuch der Menschheit voll ist von Krieg, Streit, Chaos und Unglück? Das Glück füllt nur ein dünnes Kapitel in unserer Geschichte.

Glück als Nationalaufgabe

Das Königreich Bhutan hat das Glück zum Nationalthema erklärt. So zieht es viele Glückstouristen in das Land. Was ist die wichtigste Bedingung des Glücks in der buddhistischen Kultur? Es ist die Akzeptanz des Schicksals! Diese Form von Glück weicht stark von dem ab, was wir im Westen als Glück bezeichnen. Wir wollen das Schicksal austricksen, die Buddhisten akzeptieren das Schicksal, das kommt.

Was gehört zur Fülle des Lebens?

In den letzten zwanzig Jahren hat das Positivdenken unsere westliche Kultur erobert. Wenn nur gute Stimmung erlaubt ist, wird die Verstimmung zur Störung, zur Krankheit. In Amerika wird diese mit Unmengen von Antidepressiva bekämpft. Auch hier setzt sich die Tendenz zu mehr und mehr Pillen fort. Hilft es einem Krebskranken, sich einzureden, dass alles wieder gut wird?

Die Fülle des Lebens spielt sich in der Polarität ab. Gelingen und Missgelingen, Erfolg und Misserfolg, Freude und Ärger, Gesundheit und Krankheit. Wer krank war, weiß die Gesundheit wieder zu schätzen. Misserfolg ist die Triebkraft für neue Projekte.

Viele weitere Gedankengänge rund um das Thema Glück und Unglück finden Sie im Ratgeber „Unglücklich sein: Eine Ermutigung“ von Wilhelm Schmid.

Unglücklich sein: Eine Ermutigung  Ratgeber von Wilhelm Schmid: Ein Buch, das Mut macht, dem Unglücklichsein seinen Raum zu geben, und das tröstliche Erkenntnisse bereithält. Über das Glücklichsein scheint alles gesagt zu sein. Aber was ist mit dem Unglücklichsein? In der ausufernden Glücksdebatte sind die Schattenseiten des Glucks etwas in Vergessenheit geraten. Stattdessen entstand eine neue Art von Pflicht: die Pflicht zum Gluck. Der Glücksstress, der sich daraus ergibt, macht viele nicht glücklicher. Und was ist mit all denen, die vom Glück allenfalls träumen können? Wilhelm Schmid bezieht kritische Position zur Glücksdebatte, zu der er 2007 mit seinem Bestseller »Glück« beigetragen hat mit der Behauptung, Gluck sei nicht das Wichtigste im Leben. Nun unternimmt er eine Ehrenrettung des Unglücklichseins. Und zeigt Wege auf, wie es besser bewältigt werden kann.
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