Rhetorik-Tipps: Positiv formulieren ohne Schönfärberei

Wir reden viel, denken aber nicht immer darüber nach, was genau als Botschaft beim Gegenüber ankommen soll. Die Wahl der richtigen Worte und Formulierungen hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie Ihr Gegenüber Sie versteht. Im heutigen Tipp geht es darum, wie Sie positiv formulieren, ohne in unglaubwürdige Schönfärberei zu verfallen.

Positiv formulieren ohne Schönfärberei

Tipps von Siegbert Scheuermann

Angeblich heißt es heute statt “wir kündigen”, “wir leiten Karrierewege um” resp., “wir stellen Arbeitskräfte frei oder dem Wettbewerb zur Verfügung”. Und man sagt wohl auch nicht im Eifer des Gefechts “der Idiot” sondern “die kognitiv suboptimierte Person”, der ist dann nicht “blöd”, sondern lediglich “speziell”, “herausgefordert” oder “anders begabt”. Der Spott und die Selbstgefälligkeit in solchen Formulierungen (Euphemismen) ist offensichtlich, eine Verletzung der so bezeichneten Person kaum vermeidbar, so sie denn davon Kenntnis erhält. Um diese Art der Beschönigung oder Verbrämung soll es hier und jetzt nicht gehen. Schon eher um die Art Euphemismus, die in dem Begriffspaar “Müll” und “Reststoffe” zum Ausdruck kommt und deutlich machen soll, dass sich auch in dem, das wir zumeist unbedacht wegwerfen, noch wertvolle und ggf. wiederverwertbare Rohstoffe finden.

Thema an dieser Stelle ist der Gedanke, in Alltag, Führung, Akquise und Verkauf “bewusstlose”, negative Worte und Sprachmuster aufzudecken und positiv zu ersetzen, also statt

  • abwertend, unfreundlich, hilflos, fremdbestimmt und problemorientiert,

vorzugsweise

  • aufwertend, freundlich, kompetent, selbstbestimmt und lösungsorientiert 

zu formulieren.

Hier 10 Beispiele von über 40:

Vergleichen Sie die beiden Formulierungen in den Beispielen. Welche Wirkung hat jeweils die erste und die zweite Botschaft auf Sie? Welche der Formulierungen verwenden Sie häufig?

  • ich bin nur bis abc gekommen, wir haben erst xyz geschafft … „Erst“ und „nur“ macht das (Zwischen-) Resultat klein.
  • ich bin (immerhin) schon bis abc gekommen, wir haben es bereits bis xyz geschafft Schon, bereits lässt das Erreichte positiver aussehen, immerhin ist schon wieder eine Einschränkung.
  • geht nicht / nein / das ist unmöglich Bedingungs- oder voraussetzungslose Verneinung.
  • geht so nicht / Ja unter folgenden Voraussetzungen / das ist anspruchsvoll, herausfordernd, SO nicht möglich Einschränkung der Verneinung, Öffnung eines Lösungsweges.
  • können wir nicht, kann ich nicht Unbedingte Ablehnung, kleinreden der eigenen Möglichkeiten, Fähigkeiten.
  • können wir, kann ich SO nicht oder will ich nicht weil … Öffnung einer Möglichkeit oder (möglichst nützliche und nachvollziehbare) Begründung einer Ablehnung.
  • Fehler machen Betonung des vergangenheitsbezogenen Fehlers, der „alten“ Schwäche. 
  • dazulernen Betonung des zukunftsgerichteten Nutzens des „Fehlers“.
  • Problem Negative Assoziation mit Schwierigkeiten, Beschwerlichkeiten. Ursprünglich kommt der Begriff “problema” aus dem Griechischen und bedeutete schlicht – das Vorlegte, im Sinne von: das als nächstes (zur Lösung) Anstehende.
  • Situation, Herausforderung, Chance, Gelegenheit Positive Assoziation mit dem Anreiz zur Entwicklung, der Wahrnehmung von Möglichkeiten. „Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.“ John Ruskin
  • ich muss / könnte / sollte / versuche Wirkung der Fremdsteuerung, nicht feststehenden Durchführung und eines möglichen Scheiterns.
  • ich will / werde / mir ist wichtig / mein Ziel ist Wirkung der Selbststeuerung, der sicheren Durchführung und des Willens zur Zielerreichung.
  • ich weiß nicht, ob ich das schaffe … Zeigt und erzeugt Zweifel in die eigene Kompetenz.
  • ich gebe mein Bestes, damit … Zeigt Engagement.
  • ich kann das nicht / nicht gut Negativer Fokus.
  • ich kann das noch nicht / ich arbeite daran, mache Fortschritte Fokus auf dem aktuellen oder zukünftigen Positiven.
  • das müssen Sie entschuldigen / ich entschuldige mich Der Partner muss gar nichts und ich kann mich nicht entschuldigen (siehe auch Kapitel „Danke.“ „Da nich‘ für.“).
  • bitte verzeihen Sie Bitte statt Forderung um Verzeihung, resp. „Entschuldigung“ durch den Partner.
  • Sie müssen bedenken / Sie müssen das so sehen Ähnlich wie zuvor: Der Partner muss gar nichts.
  • bitte bedenken Sie / bitte berücksichtigen Sie Bitte statt Forderung.

Diese und  weitere Tipps finden Sie im Ratgeber „Trottelfalle Rhetorik: Reden Sie ruhig. Solange bis Sie wissen, was Sie sagen wollen!“ von Siegbert Scheuermann.

Trottelfalle Rhetorik: Reden Sie ruhig. Solange bis Sie wissen, was Sie sagen wollen! Ratgeber von Siegbert Scheuermann: Rhetorik ist die „Kunst der Beredsamkeit“, die eben nicht zweckfrei und ziellos ist, sondern uns helfen soll, unsere Ziele zu erreichen, gewünschte Wirkungen zu erzeugen und Menschen zu überzeugen. Dem gegenüber stehen die so genannten Sprachgewohnheiten, ein Trott, der für viele von uns im Alltag, wie auch im Beruf zur echten Falle werden kann. Dieses Brevier wird Sie mit einigen verbalen „Trottelfallen“ bekannt machen und Sie dabei unterstützen, sich Ihr Leben und den Weg zur Erreichung Ihrer Ziele nicht unnötig lang und beschwerlich zu machen. Denn: „Nur der falsche Trott macht Trottel“. (4.4 Sterne, 5 Rezensionen) (131 Normseiten) hier kaufen!

Der Autor im Internet
Die Inhalte sind entstanden aus persönlicher Erfahrung und der Arbeit von 25 Jahren in Verhaltens- und Kommunikationstrainings mit Tausenden von Teilnehmern. Basis sind die Artikel des Autors in seinem Blog www.hirnschrittmacher.eu.

Den ersten Tipp des Autors zum Neinsagen finden Sie HIER.

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