Rezension: Nahrungsergänzung gegen Depressionen, ADS, ADHS, Ängste, Schlafstörungen, PMS, Essstörungen oder Suchtprobleme

Eins vorneweg – dieses Buch wird von den Rezensenten auf Amazon kritisch diskutiert. Geht es doch um nicht weniger als das Versprechen, zahlreiche psychische Krankheiten ohne Psychopharmaka, aber mit diversen Nahrungsergänzungsmitteln zu behandeln. Als Lebensmittelchemikerin interessiere ich mich brennend für Themen dieser Art. Grund genug für eine Buchrezension.

 

Psychische Krankheiten mit Nahrungsergänzungsmitteln lindern oder heilen

Eine Rezension von Dr. Anja Dostert

Kann man ADHS, Essstörungen, PMS oder Angst mit Hilfe von Nahrungsergänzungsmitteln positiv beeinflussen? Julia Ross, ist Psychotherapeutin und »Director of Recovery Systems«, einer Klinik in Kalifornien. Sie hat sich auf die Behandlung von Ess-, Sucht- und Stimmungsproblemen spezialisiert. Ihr Buch wurde in den USA mehr als 150.000 mal verkauft. Leider ist der deutsche Titel des Buches etwas irreführend, suggeriert er doch, dass man seine Stimmung mit einem hübsch gedeckten Tisch und einem leckeren Essen bereits positiv beeinflussen könnte. Darum geht es in dem Buch nicht. Es geht um eine mögliche Alternative zu Psychopharmaka wie SSRIs (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder Methylphenidat (Handelsname Ritalin).

Die vier Typen von psychischen Leiden

Das Buch unterteilt sich in vier verschiedene Schritte. Im ersten Schritt wird das emotionale Profil mittels Fragebögen bewertet. Typ 1 beschreibt eine klassische Depression, die „dunkle Wolke“. Das Glas ist halb leer, der Mensch macht sich Sorgen, hat wenig Selbstvertrauen und leidet besonders in der dunklen Jahreszeit (viele weitere Symptome werden im Buch erwähnt). Typ 2 bezeichnet die Autorin lapidar als „Bla-Depression“: Man hat wenig Energie, fühlt sich lethargisch und niedergeschlagen, kann sich schlecht konzentrieren und schläft quasi den ganzen Tag vor sich hin. Typ 3 ist der Stresstyp. Man ist verspannt, rennt im Hamsterrad, kann nicht abschalten und muss Alkohol, Tabak oder sonstige Stimulanzien missbrauchen, um runterzukommen. Typ 4 ist der hochsensible Typ. Man ist schnell den Tränen nahe, erleidet viele psychische Schmerzen, und erhofft sich von Lebensmitteln, Kaffee oder Liebesromanen Trost und Belohnung.

Man kann sich in einem oder auch in allen vier Typen wiederfinden, jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Fragebögen helfen dem Einzelnen weiter. Wichtig ist, dass man nicht gleich alle Nahrungsergänzungsmittel für alle vier Typen „einwirft“, sondern mit dem wichtigsten Problem beginnt und nach und nach prüft, wie der eigene Körper reagiert.

Vier Typen – vier Probleme

Typ 1 leidet unter Serotoninmangel. Beim Neurologen erhält er meist ein SSRI, einen Serotoninwiederaufnahmehemmer wie z.B. Citalopram. Der Körper bildet Serotonin aus der im Eiweiß enthaltenen Aminosäure Tryptophan (über den Zwischenschritt 5-HTP). Damit ist klar, dass eiweißreiche Nahrung hilfreich ist (was für alle vier Typen gilt). Wer akut Probleme hat, kann Tryptophan oder 5-HTP als Nahrungsergänzung einnehmen. Die Details der Empfehlungen sprengen den Rahmen dieses Textes, hier verweise ich Sie ans Buch oder an Ihren Arzt.

Typ 2 leidet unter Antriebslosigkeit, ihm fehlen die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Alle drei „Kats“, wie die Autorin sie nennt, werden aus der Aminosäure Tyrosin gebildet. Auch Tyrosin kommt im Eiweiß vor und kann bei akuter Antriebslosigkeit oder bei ADS / ADHS als Nahrungsergänzung eingenommen werden. Ein weiteres Problem kann bei den Sexualhormonen liegen, hier sollten Sie Ihren Arzt ansprechen. Männern fehlt im Alter häufig Testosteron, Frauen oft Progesteron. Hier kann ein Hormonpräparat, das vom Spezialisten verschrieben wird, Abhilfe schaffen. Ein weiteres mögliches Problem kann bei der Schilddrüse liegen. Auch dies müssen Sie natürlich beim Arzt abklären lassen. Dies gefällt mir an dem Buch sehr gut. Der Leser soll sich nicht bedenkenlos selbst medikamentieren, sondern alle wichtigen Probleme bei seinem Arzt abklären lassen.

Auch Typ 3 (Stresstyp) sollte seine Hormone überprüfen lassen. PMS, das prämenstruelle Syndrom, wird häufig durch einen Progesteronmangel ausgelöst, den man mit einem entsprechenden Präparat vom Arzt problemlos ausgleichen kann. Die Aminosäure GABA hilft dem Stresstypen, sich leichter zu entspannen. Weitere Aminosäuren, die helfen können sind Taurin und Glycin. Für Details verweise ich wieder an den Arzt und an das Buch.

Typ 4 fehlen die natürlichen Endorphine. Diese kann man mit der Aminosäure Phenlyalanin (DLPA) wieder in Schwung bringen. Auch Phenylalanin ist eine Vorstufe der Endorphine.

Kaffee adé!

Übrigens wird allen Typen vom Kaffee abgeraten. Zu unserem Artikel über Kaffee im Zusammenhang mit Burnout geht es hier. Wer seine Hormonlevel nach den Empfehlungen der Autorin wieder in Schwung bringt, kann auf Kaffee locker verzichten.

Zulassung in Deutschland

Dieses Buch stammt aus den USA, daher sind nicht alle der Substanzen in Deutschland rezeptfrei verfügbar. Die deutsche Übersetzung weist jedoch darauf hin. Für 5-HTP gibt es mit der Aminosäure Tryptophan eine gute Alternative, der Körper wandelt das Tryptophan in einem einzigen Schritt selbst in 5-HTP um. Es gibt also keinen Grund, Waren in den USA zu bestellen und sich dann zu wundern, dass diese am Zoll zurückgehalten werden. Offenbar haben sich zahlreiche Leser schon über diesen Umstand beim Verlag beklagt.

Man sollte sich als Leser also in Ruhe informieren, was es bei uns gibt und was nicht. Die Zusammenstellung des eigenen „Therapieplanes“ ist zeitintensiv und erfordert die volle Aufmerksamkeit, wenn man sorgfältig vorgeht und nicht irgendetwas bestellt und unreflektiert einnimmt. Aber die Chance, möglicherweise auf Psychopharmaka verzichten zu können, sollte dem engagierten Leser die eingesetzte Zeit wert sein. Und wie immer gilt natürlich: Im Zweifel fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Dies ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Fazit

Dieser Artikel kann nur einen kleinen Einblick geben und muss zwangsläufig offene Fragen hinterlassen. Das Thema gesunder Fette habe ich aus Platzgründen komplett weggelassen. Auch gibt es viele Tipps zu einer günstigen Ernährung. Da die Autorin ausdrücklich Fleisch und Eier empfiehlt, sind einige Rezensionen auf Amazon von verärgerten Veganern hinterlassen worden. Schade! Es geht ja in diesem Buch nicht um ein Schlechtmachen der vegetarischen Ernährung, es geht um mögliche Hilfe für Menschen mit konkreten psychischen Krankheiten.

Das Prinzip des Buches ist logisch: Man nimmt die Bausteine verstärkt ein, die Vorprodukte dessen sind, was dem Gehirn konkret fehlt. Da es sich ausschließlich um natürliche Bestandteile des menschlichen Körpers handelt, sind keine negativen Effekte zu erwarten, wenn man sich an die empfohlenen Dosierungen hält und es langsam angehen lässt. Auch Schokolade oder Kochsalz können, im Übermaß genossen, schädlich sein. Das Gleiche gilt natürlich auch für Nahrungsergänzungsmittel. Viel hilft viel – das ist falsch! Ein Absprechen mit dem Arzt ist in jedem Fall sinnvoll, wenn man z.B. die von der Autorin vorgeschlagene Methode zuerst ausprobieren möchte, bevor man ein Psychopharmakon einnimmt.

Wer sich sorgfältig in die Materie einarbeitet und mit seinem Arzt spricht, für den sind die vorgestellten Nahrungsergänzungsmittel sicher eine Alternative, die es lohnt, zu berücksichtigen. Übrigens sagt die Autorin, dass man die Produkte nach einigen Monaten durchaus wieder absetzen kann, wenn das chemische Gleichgewicht im Gehirn wiederhergestellt ist. Sie empfiehlt, dies regelmäßig durch kurze Pausen auszuprobieren. Und zahlreiche Aminosäuren sollen schon nach 15 Minuten erste Wirkung zeigen.

Die vier Fragebögen können Sie hier herunterladen oder im Internet ausfüllen. Viele weitere Erklärungen und Details sowie konkrete Dosisempfehlungen finden Sie im Ratgeber „Was die Seele essen will: Die Mood Cure“ von Julia Ross.

Was die Seele essen will: Die Mood Cure  Ratgeber von Julia Ross: Viele Menschen leiden unter Ängsten, Stress, Essstörungen oder an Stimmungsproblemen bis hin zu Depressionen. Schon mit ausgewogener Ernährung und der gezielten Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln können wir unsere seelische Gesundheit zurückgewinnen.
Die Mood Cure hilft Ihnen bei: Stress, Reizbarkeit, geringem Selbstwert, AD(H)S, jahreszeitlich bedingter Niedergeschlagenheit, Verstimmungen bis hin zu Depressionen, Ängsten, PMS (prämenstruelles Syndrom), hormoneller Unausgewogenheit, Schlafstörungen, Suchtproblemen, Essstörungen, Lebensmittelunverträglichkeiten. Schritt 1: Das Buch bewertet Ihr emotionales Profil mit einem vierteiligen Fragebogen. Schritt 2: Sie erkennen das zugrunde liegende chemische Ungleichgewicht in Ihrem Körper. Schritt 3: Sie erhalten einen zielgerichteten Plan für Nahrungsergänzungen, »Gute-Laune-Lebensmittel« und Gerichte, die Ihr Körper wirklich braucht. Schritt 4: Das Buch bietet speziell ausgearbeitete Behandlungspläne bei hormoneller Unausgewogenheit, Lebensmittelunverträglichkeiten, Sucht und Schlafstörungen. (30 Rezensionen, 3,6 Sterne, 432 Normseiten) hier kaufen!


One Response to Rezension: Nahrungsergänzung gegen Depressionen, ADS, ADHS, Ängste, Schlafstörungen, PMS, Essstörungen oder Suchtprobleme

  1. Tobi 10. April 2014 at 18:36 #

    So kann man quasi mit neben der normalen Ernährung etwas gegen diese Krankheiten tuen, ohne dafür teure Medikamente zu kaufen, die man sich in manchen Fällen sogar verschreiben lassen muss.

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