Rezension: Die osteopathische Selbstbehandlung

Osteopathie hat mich von jeher fasziniert, habe ich doch aus dem Bekanntenkreis schon häufig gehört, dass sie den Menschen hilft. Viele von uns haben diverse Wehwehchen, der Klassiker ist der Rücken. Kann man sich mit dieser Methode auch selbst helfen? Im heutigen Artikel nehmen wir das neu erschienene Buch von Thomas Seebeck unter die Lupe.

 

Osteopathie selbstgemacht?

Eine Rezension von Dr. Anja Dostert

Eins vorweg: Ich bin ein Fan von Osteopathie, denn auch mir hat die Methode bei lästigen, durch Muskelverspannungen bedingten Rückenschmerzen schon gute Dienste geleistet. Daher war ich sehr neugierig auf das Buch von Thomas Seebeck, das eine Selbstbehandlung verspricht. Immerhin will man nicht regelmäßig zu einem Physiotherapeuten gehen, was Zeit und Geld kostet (bei meinem Osteopathen 50 Euro pro Stunde). Kann man selbst Hand anlegen?

Ein funktionierendes Selbstheilungs- und Immunsystem kann so ziemlich jedes gesundheitliche Problem lösen. In der Osteopathie geht es deshalb darum, diese oft gestörten Selbstheilungskräfte wieder zu aktivieren und dadurch eine ganz natürliche Heilung zu erreichen. (Thomas Seebeck)

Direkte und indirekte Technik

Es gibt zwei Prinzipien in der Osteopathie, die Seebeck einleuchtend erklärt: Die direkte und die indirekte Technik. Bei der direkten Technik arbeitet man, ich drücke es jetzt mit eigenen Worten aus, quasi in den Schmerz. Man bewegt sich, obwohl man Schmerzen hat. In der indirekten Technik schafft man die größtmögliche Entlastung für die betroffene Stelle, sodass das Gewebe besser mit Nährstoffen versorgt wird und heilen kann. Beides kann funktionieren, man muss aber herausfinden, welche Technik gerade die Geeignete ist.

Während der Osteopath seine Finger benutzt, um genau dies herauszufinden, kann der Selbstbehandler in sich hineinspüren, um die Antwort auf die Frage nach der Technik zu finden.

Gesteigerte Selbstwahrnehmung

Was mir sehr gut gefällt, das ist, dass Thomas Seebeck den Leser schon gleich im ersten Beispiel dazu führt, den Körper intensiv wahrzunehmen. Selbst kleine Unterschiede im Befinden (in verschiedenen Positionen, beim Ein- und Ausatmen), geben Hinweise, wie vorzugehen ist. Das Buch ist eine Einladung, sich mit dem eigenen Körper zu beschäftigen, wo unser Leben uns doch so häufig verführt, nur auf den Bildschirm zu starren und unsere Körperlichkeit stundenlang auszublenden. Oder wenn wir die Einkäufe in Gedanken nach Hause schleppen, ohne darauf zu achten, wie sich die Last gerade für unseren Körper anfühlt oder ob wir sie auch ein wenig leichter tragen könnten. Und ohne Selbstwahrnehmung wird auch keine Technik funktionieren, da diese quasi die diagnostisch tastenden Finger des Osteopathen ersetzt.

Pain is a great liar – der Schmerz ist ein großer Lügner

Schmerzen sind fies! Nicht nur, weil sie wehtun (welch eine Erkenntnis), sondern weil die Ursache nicht immer da liegt, wo man glaubt. Über Schonhaltung und Muskelketten beeinflusst sich der Körper wechselseitig, sodass Knieschmerzen auch in Nackenverspannungen resultieren können. Beseitigt man einen Schmerz, kann es woanders wehtun. Die Selbstbehandlung ist also auch eine Reise, bei der man ein wenig Geduld mitbringen muss.

Fazit

Ich habe die Einleitung mit großem Gewinn gelesen und auch schon erste Techniken ausprobiert, denn es gibt neben den allgemeinen Prinzipien auch ganz konkrete Anleitungen für jede Körperregion. Dieses E-Book ist kein Werk, das man einmal liest und dann zur Seite legt. Ich werde es auf jeden Fall häufiger lesen, zum einen, um mich mit den Prinzipien weiter vertraut zu machen, und zum anderen, um diverse Zipperlein (Handgelenk, verspannter Rücken etc.) genau dann zu behandeln, wenn es mal wieder akut ist.

Wenn man die Statistiken berücksichtigt, wie viele Menschen mit irgendwelchen chronischen Schmerzen leben, meist vom Bewegungsapparat verursacht, dann sollte dieses Buch oder E-Book seinen Weg in jeden Haushalt finden, am besten direkt neben der Hausapotheke oder auf dem E-Book-Reader oder Smartphone, wo man jederzeit wieder nachschlagen kann. Obwohl ich in meinen Rezensionen keine Sternchen oder Punke vergebe und versuche, ausgewogen zu bewerten, neige ich hier dazu, das Buch von Thomas Seebeck als eine Perle der Ratgeberliteratur zu bezeichnen.

Viele weitere Tipps und konkrete Übungen finden Sie im Ratgeber „Die osteopathische Selbstbehandlung“ von Thomas Seebeck.

Die osteopathische Selbstbehandlung Ratgeber von Thomas Seebeck: Hilfe bei chronischen Schmerzen und Wehwehchen durch aufmerksame Selbstbeobachtung und leicht zu erlernende Techniken, das bietet der Ratgeber von Thomas Seebeck. Wenn man nur an die Kosten einer osteopathischen Behandlung oder an die einer Packung Schmerztabletten denkt, ein echtes Schnäppchen! Was Sie mitbringen müssen, ist jedoch Zeit und Aufmerksamkeit für Ihren Körper. (154 Normseiten) hier kaufen!

One Response to Rezension: Die osteopathische Selbstbehandlung

  1. aurora 27. Oktober 2014 at 11:17 #

    Vielen Dank für die Rezension. Ich wollte mich längst mal mit Osteopathie zum selber machen beschäftigen, habe es aber immer wieder verschoben. Ich bin schon oft beim Osteopathen gewesen, und denke, einiges selbst tun zu können wäre eine große Bereicherung. Ich werde dies nun mal in Angriff nehmen!

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