Rezension: Autor werden: Wie lerne ich schreiben?

Schreiben ist ein Hobby, das immer beliebter wird, auch unter jungen Menschen. Doch worauf sollte ich achten, wenn ich einen Roman schreiben möchte? Was sind die häufigsten Fallstricke? Dieter Rudolph hat seine langjährigen Erfahrungen für junge Autorinnen zusammengefasst. Heute fühlen wir seinem frisch erschienenen Buch auf den Zahn.

 

Wie lerne ich schreiben?

Eine Rezension von Anja Dostert

Buch: Die Schule der fantastischen Mädchen

Eins vorweg: Ich habe schon viel zum Thema gelesen. Und ich bin kein junges Mädchen mehr. 😉 Der Schreibstil der Leseprobe hat mich jedoch spontan angezogen, denn man merkt den ersten Zeilen an, dass hier ein erfahrener Autor schreibt. Schön fand ich, dass das Buch völlig ohne erhobenen Zeigefinger auskommt. Und so entmachtet Dieter Rudolph sofort alle, die mit festen Schreibregeln den Autor in enge Schubladen pressen möchten.

Sogenannte Schreibregeln gibt es, seit es Literatur gibt. Angeblich waren sie immer für alle Zeiten gültig und unantastbar – merkwürdig nur, dass sich die wirklich guten Autorinnen und Autoren nie daran gehalten haben … (Dieter Rudolph)

Autor werden mit Talent und Geduld

Das Buch ist ein Streifzug quer durch alle Themen, die den Schriftsteller beschäftigen. Es beginnt damit, die Regeln der Schule in Frage zu stellen: Die Regeln des Deutschunterrichts gelten für Autoren nur bedingt, denn spricht wirklich jede Figur in einem Buch so, wie der Deutschlehrer es im Aufsatz fordert? Natürlich nicht! Rollenprosa ist der Fachbegriff dafür, wenn man einen Protagonisten auch mal „Ey, Alter!“ schreien lässt – weil der Charakter eben genau das erfordert.

Wie liest ein Autor? Anders als ein Leser, denn er möchte wissen, wie das Buch es schafft, andere in seinen Bann zu ziehen. Er analysiert die Sprache des Buches und seine Dramatik. Dieter Rudolph scheut sich nicht davor, auch die wichtigsten Rechtschreibfallen junger Autoren anzusprechen, unnötige Fehler, die immer wieder gemacht werden und deren Vermeidung einen Text sofort verbessern.

Aber jenseits aller Regeln teilt er auch seine Lebenserfahrung mit den jungen Lesern: Nicht jeder, der gute Texte schreibt, ist auch erfolgreich. Leser wünschen häufig auch schnelles Lesefutter. Daher soll man sich nicht das Ziel setzen, ein erfolgreicher Autor zu werden (was auch Glück erfordert), sondern anstreben, ein guter Autor zu werden.

Ohne einen Krimi aus der Feder von Dieter Rudolph gelesen zu haben (was ich sicher nachholen werde), bin ich nach dem Lesen seines Ratgebers sicher, dass Dieter Rudolph ein guter Autor ist, denn es springt einen aus jedem Rat, aus jeder Zeile förmlich entgegen. Er coacht seit geraumer Zeit junge Autorinnen bei ihren ersten Schritten zum eigenen Buch. Man merkt seinem Ratgeber einfach an, dass er aus der Praxis stammt und das macht ihn wertvoll.

Schade finde ich, dass er seinem Buch mit der strikten Fokussierung auf die Zielgruppe „Mädchen zwischen 14 und 21“ einen verkäuferischen Bremsklotz ans Bein gehängt hat. Viele Autoren beginnen erst im fortgeschrittenen Alter ihre Schreibkarriere. Der erfolgreiche Krimiautor Arno Strobel hat beispielsweise irgendwann in seinen Vierzigern mit Kurzgeschichten angefangen und dann seinen ersten Thriller in Angriff genommen. Auch suggeriert das Cover, das eher an die 50er-Jahre erinnert, nicht unbedingt, dass junge Frauen von heute in dem Buch angesprochen werden. Ein flippig gestaltetes Cover hätte aus meiner Sicht besser zur anvisierten Zielgruppe gepasst.

Ein Grund mehr, diesen Ratgeber zu empfehlen, denn zwischen den eher altmodisch gestalteten Buchdeckeln finden sich wertvolle Tipps für angehende Autoren von heute und auch einige Perlen für den erfahrenen Autor.

Zum Blog des Schreibratgebers geht es hier. Dort finden sich auch weitere Links, zum Beispiel zu den schriftstellerischen Resultaten, die die jungen Mädchen, die Dieter Rudolph coacht, bisher erreicht haben.

Die Schule der fantastischen Mädchen: Eine Anleitung zum Schreiben Ratgeber von Dieter Rudolph: Auch wenn sich dieses Buch an junge, angehende Autorinnen richtet, so sollte jeder Einsteiger es lesen. Denn man könnte das Buch auch nennen: „Die wichtigsten Erfahrungen, die der langjährige Autor Dieter Rudolph weitergeben möchte!“ Es ist ein Kondensat aus all jenen Aspekten, die er für wichtig hält, wenn man schreibt. Und auch ich, die ich schon zahlreiche Ratgeber zum Thema gelesen habe, konnte dem Buch noch einiges abgewinnen. Klare Kaufempfehlung, auch für Männer und ältere Menschen, die sich von den auf die Schülerinnen gemünzten Beispielen nicht abschrecken lassen. (123 Normseiten) hier kaufen!

One Response to Rezension: Autor werden: Wie lerne ich schreiben?

  1. Dieter Paul Rudolph 14. August 2014 at 17:36 #

    Der Autor bedankt sich für die schöne Rezension… Ganz kurz zur „Zielgruppe“. Ursprünglich hatte ich vor, „meinen Mädels“ einen kleinen Leitfaden an die Hand zu geben, höchstens 20-40 Seiten. Das Manuskript wurde dann immer umfangreicher und schließlich ein Buch. Ich wollte nun nicht den „Erzählgestus“ wechseln und alles explizit für Erwachsene umschreiben. Dass diese es dennoch mit einigem Gewinn lesen können, hoffe ich doch. Und auf dem neuen Blog gehts weiter mit Tipps und Übungen… Schönen Gruß an alle und macht weiter so!

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