Pferde verstehen

Viele Menschen reiten in ihrer Freizeit, aber verstehen alle Reiter ihr Pferd? Häufig macht man sich erst Gedanken, wenn das Tier beginnt, unerwünschtes Verhalten zu zeigen. Dabei senden Pferde vorher schon viele Signale aus, die ein geübter Pferdeversteher interpretieren kann. Im heutigen Artikel geht es um Grundlagen im Umgang mit dem Pferd und darum, wie es eine Aufgabe am besten lernt.

 

Wie geht es meinem Pferd?

Tipps aus dem Buch von Marlitt Wendt

Ein Fohlen ist ein Nestflüchter. Schon kurz nach seiner Geburt kann es der Herde folgen. Als Beutetier liegen die Augen seitlich am Kopf. Ein Pferd kann nahezu seine ganze Umgebung beim Grasen im Blick behalten, während wir unseren Kindern beibringen müssen, beim Überqueren der Straße links-rechts-links zu schauen. Könnte ein Pferd Auto fahren, bräuchte es sich um den Schulterblick beim Spurwechsel nicht zu kümmern.

Als Beutetier erschrickt das Pferd leicht, daher lernt jeder Anfänger im Umgang mit dem sensiblen Tier sofort, dass man sich einem Pferd nie von hinten nähert. Wer zu einer Herde Pferde geht, sollte sich vorher akustisch und optisch bemerkbar machen.

Der tote Winkel, wo das Pferd nichts sieht, liegt über dem Rücken, und damit exakt dort, wo der Reiter sitzt! Wenn der Reiter jetzt z.B. mit der Gerte ausholt, taucht für das Pferd unmittelbar eine Bedrohung in seinem Gesichtsfeld auf. Das Pferd erkennt die Bedrohung, kann jedoch nicht orten, um welchen Gegenstand es sich handelt. Auch vorne sieht es nicht alles, nämlich dort, wo seine Nase im Weg ist.

Pferde können, genau wie Katzen auch, bei wenig Restlich im Dunkeln noch gut sehen. Dafür sind sie umgekehrt sehr lichtempfindlich bei hellem Licht. Zögert ein Pferd, aus der dunklen Boxengasse in die helle Sonne zu treten, so muss es sich erst an die Helligkeit gewöhnen.

Wie lernt ein Pferd?

Teilen Sie die gewünschte Lernaufgabe in möglichst viele kleine Einzelschritte auf. Ein Pferd lernt über Erfolgserlebnisse. Neue Bewegungsmuster müssen Schritt für Schritt gelernt werden. Während an einem Detail der Übung gearbeitet wird, sind die anderen Details zunächst unwichtig.

Wichtig ist, dass der Mensch immer verlässlich bleibt. Das Pferd darf nicht verwirrt werden, indem der Mensch immer wieder verschiedene Kommandos und Zeichen einsetzt. Hat das Pferd einen schlechten Tag, so arbeiten Sie an Grundlagen und Kleinigkeiten. Im Zweifel ist es besser, das Training abzubrechen und es an einem anderen Tag erneut zu versuchen. Viele Misserfolge im Training können das Pferd im Lernen zurückwerfen. Es ist wichtig, das Training immer mit einem guten Ergebnis zu beenden, da sich dieser Trainingsschritt am Nachhaltigsten im Gedächtnis des Tieres verankert. Je häufiger das Tier Neues lernt, desto leichter wird ihm das Lernen allgemein fallen.

Pferde nehmen beim Lernen auch die Umgebung und die beteiligten Personen wahr. Macht ein Pferd an einem bestimmten Ort oder mit einer bestimmten Person immer wieder negative Erfahrungen, so wird es sich das merken. Welcher Reiter möchte schon, dass das Pferd den Reitplatz mit etwas Negativem verbindet? Dies erschwert die Arbeit auf Dauer. Genauso gibt es viele Pferde, die mit dem Tierarzt schlechte Erfahrungen machen und sich dies für immer merken.

Viele weitere Tipps und konkrete Fallbeispiele finden Sie im Ratgeber „Wie Pferde fühlen und denken: Verhalten, Emotionen, Intelligenz“ von Marlitt Wendt.

Wie Pferde fühlen und denken: Verhalten, Emotionen, Intelligenz  Ratgeber von Marlitt Wendt:
Das Gefühlsleben des Pferdes birgt viele Geheimnisse. Dennoch öffnet uns die moderne Verhaltensbiologie heute viele Möglichkeiten, die Pferdepsyche besser zu verstehen. Wie also fühlen und denken unsere Pferde? Dieses Buch beantwortet diese Frage umfassend – und verändert nachhaltig unsere Sichtweise auf die Pferde, denn ihre emotionale Persönlichkeit ist facettenreicher als gemeinhin vermutet.
In diesem Buch schlägt die Autorin, Verhaltensbiologin mit Spezialisierung auf Pferde, gekonnt eine Brücke zwischen den komplexen Erkenntnissen der Wissenschaft und dem Alltag der Pferdefreunde. Dabei reicht das inhaltliche Spektrum von den subtilen Signalen der Körpersprache des Pferdes über die Entstehung grundlegender Emotionen bis hin zu Hinweisen für einen kreativen und gewaltfreien Umgang mit dem Pferd.
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Die Internetseite der Autorin finden Sie hier.

One Response to Pferde verstehen

  1. Markus 30. Dezember 2013 at 16:22 #

    Prima Auszug aus dem Buch.

    Viele Pferde machen schlechte Erfahrungen mit einem Tierarzt, aber der ist ja, im Gegensatz zum Besitzer/Reiter einfacher auszuwechseln… 😉

    Viele Grüße

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