Ein langes und gesundes Leben

Gesundheitsnachrichten sind beliebt und werden gerne und häufig geschrieben und gelesen. Die allermeisten Menschen wünschen sich ein langes und möglichst gesundes Leben. Journalisten bedienen unser Interesse und publizieren fleißig. Was gesund ist, was ungesund ist, woran wir sterben und gerne auch was wir dagegen tun können. Wie wir Diät halten sollen und wie wir möglichst schnell abnehmen. Was ist sinnvoll? Und wo bindet man uns einen Bären auf?

Ein langes und gesundes Leben

Ein Artikel aus dem Laufblog „Laufend zum Wunschgewicht“ von Dr. Anja Dostert

Papier und heutzutage Internetserver sind sehr geduldig, bei beliebten Themen wird gerne von den Kollegen abgeschrieben. Nur macht das 10-fache Veröffentlichen nicht unbedingt eine Wahrheit. Botschaften kritisch hinterfragen ist schwierig. In diesem sehr provokativen Artikel will ich versuchen, ein paar dieser Botschaften kritisch zu hinterfragen. Heute geht es um das lange und gesunde Leben.

Woran sterben die Menschen eigentlich? Ich möchte heute nicht über den Altersprozess schreiben, sondern diskutieren, woran wir – wenn wir denn gealtert sind – konkret sterben. Im Mittelalter waren es in erster Linie Infektionen aller Art. Dank Hygiene, Impfungen und Antibiotika ist diese Todesform bei uns sehr selten geworden, wenn auch der geschwächte, alte Mensch hin und wieder an z.B. einer Lungenentzündung sterben kann. Unfälle sind ebenfalls verhältnismäßig selten die Todesursache, auf die gesamte Menschheit umgerechnet. Selbstmord hat eine gewisse Relevanz, wobei dieses Thema von den Medien zu Recht kaum veröffentlicht wird, da solche Veröffentlichungen traurigerweise fast immer die Selbstmordrate erhöhen (an diesem Punkt habe ich echt Respekt vor den Medien und den Journalisten!).

Wenn wir alt werden, dann sterben wir an drei großen Krankheitsgruppen

  1. Krebs: Je älter wir werden, desto höher ist das Risiko für entartete Zellen und einen entstehenden Krebs
  2. Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Mit fortgeschrittenem Alter steigt auch hier das Risiko
  3. Demenz

Wenn über steigende Raten dieser drei Krankheitsgruppen berichtet wird, dann heißt das nicht zwingend, dass die Menschen ungesund gelebt haben oder dass Chemikalien dies verursacht haben.

Im Gegenteil, die Menschen sind sehr alt geworden und auf irgendeine Art müssen sie ja schließlich sterben, wenn es nicht vorher durch andere Ursachen passiert ist. Ich hoffe, du findest dieses Argument nicht zu gruselig, aber die Erklärung ist doch logisch, oder? Wenn es also mal wieder um steigende Raten in diesen drei Krankheitsgruppen geht, bitte nicht vergessen: an irgendetwas sterben wir alle!

Die wichtige Frage im Anschluss an dieses harte Thema ist die nach einem möglichst gesunden und langen Leben. Jeder Mensch versucht zumindest (nicht alle halten die Vorsätze), sich gesund zu ernähren, sich ausreichend zu bewegen und sein Schicksal möglichst günstig zu beeinflussen. Die allermeisten Menschen gehen davon aus, dass schlank sein einen wichtigen Beitrag leistet. Wir werden ja tagtäglich durch die Medien geimpft, dass Übergewicht schädlich ist (Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sogar Krebs steht zu Debatte).

Die Wahrheit ist, dass Menschen mit einem BMI von 25 bis 30 die höchste Lebenserwartung haben, das sind Menschen mit einem leichten Übergewicht. Überrascht? Nun, was die Wissenschaftler als ‚obesity paradox‘ bezeichnen, also als einen Widerspruch des Übergewichts, das versteht der Volksmund schon lange: Wer im Alter ein paar Kilo mehr auf den Rippen hat, der hat im Krankheitsfall etwas zuzusetzen. Unser Immunsystem benötigt Energie genau wie alle anderen Körperfunktionen, die die Heilung fördern. Wer noch mehr Übergewicht hat, dessen Lebenserwartung sinkt natürlich wieder. Aber ein Mensch mit einem BMI von 32, also bereits deutlich übergewichtig, hat keine schlechtere Lebenserwartung als ein schlanker Mensch! Untergewicht verschlechtert die Aussichten auf ein langes Leben, genau wie sehr hohes Übergewicht über einem BMI von 35.

Über die genauen Ursachen des ‚obesity paradox‘ diskutieren die Wissenschaftler. Es könnte an der medizinischen Vorsorge liegen oder an dem ‚Zusetzfaktor‘, den ich eben beschrieben habe. Fakt ist: möchtest Du möglichst alt werden, solltest Du einen BMI von 27 anstreben. Dein Rettungsring könnte Dich tatsächlich retten!

Viele andere Empfehlungen sehe ich sehr, sehr kritisch. In der Vielzahl der Studien kann ich für fast jede Behauptung IRGENDEINE Studie aus den Datenbanken ziehen, die meine These stützt. Möchte ich gerne beweisen, dass die Anzahl der Störche die Geburtenrate beeinflusst (Frau Schröder würde aufgrund eines solchen Ergebnisses vielleicht Störche ansiedeln), so werde ich eine größere Stadt finden, für die genau dieser Zusammenhang gilt. Dann mache ich dort meine Studie, zähle die Störche und lasse mir von den Behörden die Geburtenraten geben. Ok, das Beispiel ist ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

Als Wissenschaftlerin möchte ich hier anmerken, dass Wissenschaftler sehr motiviert sind, Ergebnisse zu produzieren und zu publizieren. Ich möchte meinen (ehemaligen) Kollegen nichts unterstellen, aber die Vielfalt der Untersuchungen kann dazu führen, dass das eine oder andere Ergebnis zugunsten der gewünschten Hypothese herangezogen wird, sei es durch den forschenden Wissenschaftler, durch seine Kollegen oder durch die Medien. Ich möchte hier niemanden verurteilen, nur möchte ich die Leser solcher ‚Gesundheitsnachrichten‘ auffordern, kritisch zu bleiben und nicht jedem Trend hinterherzujagen.

Wonach richte ich mich denn, wenn alle diese Behauptungen ‚falsch‘ sein könnten? Wie wäre es, wenn du das eigene Körpergefühl heranziehst und prüfst, was Dir gut tut? Selbst handfest nachgewiesene Effekte gelten nie für wirklich jeden Menschen, es gibt immer mindestens eine Handvoll Menschen, die anders ticken. Äpfel sind gesund, solange man nicht dagegen allergisch ist oder das Apfelwachs nicht in seiner Leber abbauen kann.

Ein paar wenige Dinge sind klar bewiesen: Wir wissen, dass Rauchen Lungenkrebs fördert und wir wissen, dass Bewegung lebensverlängernd wirkt. Sport ist definitiv nicht Mord. Viele andere Dinge wissen wir leider nicht.

Fazit

Möchtest du lange leben, gönne dir mit steigendem Alter einen kleinen Rettungsring, bleibe sportlich aktiv und sei überzeugter Nichtraucher. Hinterfrage die Gesundheitsnachrichten und iss und trink nur die Dinge, die dir wirklich gut tun. Mach dich nicht verrückt und springe nicht auf jeden Zug auf. Dein Wohlbefinden zählt!

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