Der Sunk Cost Effect: Wann sollte man ein Projekt besser abbrechen?

„Weinen Sie nicht über die verschüttete Milch!“ sagt der Engländer. Trotzdem halten wir uns häufig nicht an diesen Rat. Wer in ein Projekt viel Geld, Zeit und Herzblut investiert hat, der möchte es unbedingt zum Erfolg führen, auch wenn die Zeichen schlecht stehen. Im heutigen Artikel geht es um den Sunk Cost Effect. 

 

Der Sunk Cost Effect

Ein Tipp aus dem Bestseller von Rolf Dobelli

Sie sitzen im Kino und der Film ist schrecklich. Gehen Sie nach Hause oder lieber nicht? Immerhin haben die Karten viel Geld gekostet! Nun, das Geld ist ausgegeben, das können Sie nicht mehr ändern. Aber Sie können entscheiden, wie Sie die nächste Stunde Ihrer Zeit verbringen, mit einem schlechten Film oder z.B. bei einem angenehmen Abendspazierung mit ihrer Kinobegleitung.

Jede Entscheidung im Leben, egal ob privat oder beruflich, geschieht in Unsicherheit. Wir wissen nicht, was genau kommen wird. Wir können ein Projekt verlassen und mit den Konsequenzen leben. Nur: Je mehr wir bereits investiert haben, desto schwerer fällt uns das! Deshalb haben wir Menschen die Tendenz, zu lange an irrationalen Dingen oder sinnlosen Zielen festzuhalten. So lesen Menschen schlechte Bücher und quälen sich durch 350 Seiten, obwohl die ersten 50 Seiten schon grauenvoll waren? Warum? Weil sie für das Buch Geld bezahlt haben. Nur: Ist der Fehlkauf es wirklich wert, zwei weitere Abende Zeit darin zu versenken? Oder ein Unternehmer entwickelt ein Produkt. Wenn dieses dann floppt, so ist man aufgrund der hohen Beträge, die bereits investiert wurden versucht, weiterzumachen. Man investiert also weiter in Marketing und Werbung und verliert noch mehr Geld. Börsenanleger sind auch Opfer der versunkenen Kosten. Sie verkaufen sinkende Aktien nicht, weil sie hoffen, den Einstiegspreis doch irgendwie wieder rauszubekommen. Der Verlust steigt und steigt.

Warum tappen wir in die Falle?

Haben wir einmal ein Ziel im Blick, so geben wir es nicht gerne wieder auf. Wir möchten uns nicht eingestehen, dass die Entscheidung, die wir damals trafen, Mist war. Ein Projektabbruch erscheint schmerzhaft. Wir könnten vor anderen Menschen schlecht dastehen, unser Selbstbild wird leiden, wenn wir den Fehler eingestehen. Natürlich muss man manchmal auch schwierige Phasen durchstehen und sich zum Ziel vorankämpfen, aber unser Gehirn gaukelt uns solche Argumente auch in Fällen vor, wo ein Aufgeben wirtschaftlich sinnvoller wäre. Es finden sich immer irgendwelche (manchmal absurden) Gründe, in ein Projekt weiter zu investieren.

Die Lösung

Man kann keine Regel aufstellen, wann es sich um Sunk Cost handelt und wann nicht. Bei Ihrer Entscheidung sollten Sie immer versuchen, das bereits Investierte in Gedanken bewusst aus der Entscheidung herauszuhalten. Liegt die Milch bereits am Boden? Dann vergessen Sie dies und blicken Sie nach vorne. Die Vergangenheit zählt bei dieser Entscheidung nicht, auch wenn Sie neben Geld bereits viel Zeit, Herzblut und Gefühle investiert haben. Allein die mögliche Zukunft zählt.

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– warum wir unser eigenes Wissen systematisch überschätzen (und andere für dümmer halten, als sie sind),
– warum etwas nicht deshalb richtiger wird, weil Millionen von Menschen es für richtig halten,
– warum wir Theorien nachhängen, selbst wenn sie nachweislich falsch sind.
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